FAQ AD(H)S



Was ist ADS und ADHS?

A ufmerksamkeits
D efizit
(H yperaktivitäts)
S yndrom

Manche Kinder sind dermassen unkonzentriert, dass es zu grossen Problemen führt. Sie sind in der Schule auffallend unruhig, zappeln herum, stören den Unterricht. Ihre Blicke schweifen herum, sie hören nicht zu. Ihre Emotionen schwanken zwischen Desinteresse und Leidenschaft. Zu Hause brauchen sie für ihre Hausaufgaben dreimal soviel Zeit wie andere und erledigen sie nur dann, wenn die Mutter neben ihnen sitzen bleibt. Sie vergessen den Turnsack, reagieren oft impulsiv und aggressiv.
Oder aber sie sind still und in sich gekehrt, scheinen ständig zu träumen. Sie kommen zu spät und haben ihr Schulmaterial nicht dabei. Bei ca. 4-6% aller Kinder liegt solchem Verhalten ein Zusammenspiel von Stoffwechselstörung des limbischen Systems und anderen Faktoren vor. Das limbische System ist ein Zentrum in unserem Gehirn, das für die Filterung der Reize und die Steuerung der Gefühle zuständig ist. In diesen Fällen spricht man von ADHS oder ADS.
AD(H)S ist kein neues Phänomen. Bereits 1845 beschäftigte sich der Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann in seinem Buch „Der Struwwelpeter“ damit. Hans Guck in die Luft – dem Träumer- würde heute wohl ADS diagnostiziert. Und Zappelphilipp ADHS – die Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität. Diese Geschichten zeigen natürlich Stereotypen. AD(H)S kann bei jedem Menschen je nach Ausprägung wieder etwas anderes bedeuten.

Die auffälligsten Symptome von AD(H)S sind
• leichte Ablenkbarkeit
• oft unkontrolliertes Handeln
• starker Bewegungsdrang (Hyperaktivität, nicht vorhanden bei ADS)
ADHS kommt bei Jungen ungefähr dreimal mehr vor als bei Mädchen. ADS ist bei Mädchen stärker vertreten.

Für viele Nicht-Betroffene ist manchmal verwirrend, dass sich Betroffene durchaus über lange Phasen konzentrieren können, wenn sie sich in ihrem "Spezialgebiet" bewegen. Dieser Zustand wird als "Hyperfokus" bezeichnet. Dann können Menschen mit AD(H)S abtauchen, eintauchen und enorm kreativ sein. Aber sie können nicht steuern, wann, wobei und wie lange sie aufmerksam sein wollen.  Insbesondere die Ausübung eher eintönigen Routineaufgaben ist fast nicht möglich. Das führt dazu, dass sich Betroffene oft anhören müssen: "Du kannst es ja, du musst nur wollen!", was sie aber eben nicht können (auch wenn sie noch so fest wollen würden!).
Solche Aussagen führen häufig zu einem geringen Selbstwertgefühl, was bei ADS eher nach Innen ausgetragen wird (Rückzug, Selbstvorwürfe, Essstörungen, Depressionen...) und bei ADHS oft eher nach aussen (oppositionelles Verhalten, laut sein, aggressives Verhalten, aber im Endeffekt häufig auch Depressionen).


ADHS und ADS im Erwachsenenalter – gibt es das?

Ja, auf jeden Fall. Entgegen früheren Theorien, ADHS wachse sich in der Pubertät aus, kann man tatsächlich bei ungefähr 5% der Erwachsenen dieses Syndrom diagnostizieren.
ADHS steht für "Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom". Es ist die Bezeichnung für Aufmerksamkeitsschwierigkeiten (kurze Aufmerksamkeitsspanne), gekoppelt mit Impuls- und Wahrnehmungsdefiziten und einem grossen Bewegungsdrang, der auch als Hyperaktivität beschrieben wird. Wie stark die einzelnen Symptome ausgeprägt sind, kann individuell sehr verschieden sein.
ADS bedeutet das Gleiche, jedoch ohne die Hyperaktivität.
Recht treffend wurden die beiden Begriffe anhand von zwei Kindern bereits im 19. Jahrhundert im Buch "Struwwelpeter" dargestellt: Hans Guck-in-die-Luft zeigt eine ADS: Er ist der verträumte, abgelenkte Junge, der sich in seiner eigenen Welt bewegt. Zappelphilipp ist derjenige mit ADHS: Zappelig, unkontrolliert, laut. Diese Geschichten zeigen natürlich Stereotypen. Wie gesagt bedeutet AD(H)S bei jedem Menschen je nach Ausprägung wieder etwas anderes.

Für viele Nicht-Betroffene ist manchmal verwirrend, dass sich Betroffene durchaus über lange Phasen konzentrieren können, wenn sie in ihrem "Spezialgebiet" unterwegs sind. Das wird als "Hyperfokus" bezeichnet. Da können Menschen mit AD(H)S abtauchen, eintauchen und enorm kreativ und produktiv sein. Aber sie können ihre Aufmerksamkeit nicht steuern, insbesondere bei eher eintönigen Routineaufgaben. Das führt dazu, dass sie sich oft anhören müssen: "Du kannst es ja, du musst nur wollen!", was sie aber eben nicht können (auch wenn sie noch so fest wollen!).
Traurigerweise führen unter anderem solche Aussagen zu einem geringen Selbstwertgefühl, was bei ADS eher nach Innen ausgetragen wird (Rückzug, Selbstvorwürfe, Essstörungen, Depressionen...) und bei ADHS oft eher nach aussen (oppositionelles Verhalten, laut sein, aggressives Verhalten, aber im Endeffekt häufig auch Depressionen).


Symptome von ADS und ADHS im Erwachsenenalter

Betroffene finden sich immer wieder mit ähnlichen Problembereichen konfrontiert:
• mangelnde Konzentration
• chaotische Planung
• Termine einhalten
• Ordnung
• Vorhaben anpacken
• Angefangenes zu Ende führen
• sich auf Prüfungen vorbereiten
• sich selbst steuern
• mit innerer Unruhe umgehen

Viele Frauen und Männer mit ADHS fühlen sich „irgendwie anders“. Oft zweifeln sie an sich, weil sie Dinge nicht „auf die Reihe kriegen“, viele Aufgaben aufschieben, Termine und anderes vergessen. Vererbung ist mit ein Grund für ADHS. Nicht selten haben Mütter und Väter durch die Diagnose bei ihrem Kind ein Aha-Erlebnis: In den Symptomen ihrer Kinder erkennen sie sich wieder. Plötzlich macht ganz viel Erlebtes Sinn. Viele von ihnen machen sich dann auf den Weg, „ihr“ AD(H)S zu erforschen.

Bei Menschen mit AD(H)S werden jedoch häufig auch ähnliche Stärken beobachtet:
• ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
• schnelle Reaktion
• Tierliebe
• Sensibilität
• Kreativität
• Hyperfokus, wenn etwas interessiert!

Nicht umsonst gibt es unter Künstlerinnen, Schauspielern und Literaten viele AD(H)S-Betroffene! Diese Stärken gilt es zu erkennen und selbstbewusst einzusetzen.


Frauen und AD(H)S

Gerade bei Frauen bleibt ADS häufig unerkannt. Still und verträumt in der Schule, zerstreut in der Ausbildung, unstrukturiert und unzuverlässig als Partnerin und Familienfrau – so erleben sie sich oft selber und schreiben diese Eigenschaften manchmal verzweifelt und zu Unrecht einer Charakterschwäche zu. Durch Fleiss und Pflichtbewusstsein kompensieren sie schon in jungen Jahren unter riesigem Energieaufwand ihre Defizite. Sind erschöpft und wissen nicht, warum. Ihre als „unweiblich“ abgestempelte Impulsivität versuchen sie oft lange zu unterdrücken. Der weibliche Zyklus verstärkt Stimmungsschwankungen und andere Symptome des ADHS.
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